Kunstausschreibung
Karl-Simrock-Forschung
Dr.
Gerhard Reifferscheid & Kollegen
POSTFACH
20 11 42, D
- 53141 BONN
TEL.
0228/9028806, FAX 0228/9340218
Aufruf an
Maler – Zeichner – Radierer – Lithographen – Holzschneider
zur Teilnahme am
Wettbewerb – mit Laufzeit bis Juli 2002
-
Die
Kunst, so Friedrich Schiller (1759-1805), sei „eine Tochter der Freiheit“,
sie müsse sich daher kühn über die Sphäre der Bedürfnisse und der Materie
erheben.
Das
schreibt der Dichter 1795, als die Rebellion gegen die Nützlichkeit als
Forderung an die Kunst in der deutschen Kunst schon so weit verbreitet war, dass
sie bald als typisch deutsches Phänomen begriffen wurde: „Wohlgefallen oder
Missfallen, ohne alles Interesse“, lautete die Maxime an die Wertschätzung
des Geschaffenen.
Vorromantische
Denker wie Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) entwickelten den Begriff der „Nutzlosigkeit“
bzw. „Zwecklosigkeit“ als Kriterium der Kunst, wie Immanuel Kant (1724-1804)
wenig später in seiner Kritik
der Urteilskraft die Unterscheidung zwischen dem Guten, dem Angenehmen und
dem Schönen erläuterte.
Und
alles mündet in dasselbe. Wenn nämlich die Kunst „nutzlos“ und „entgesellschaftet“
ist, wie das Hans Sedlmayr (1896-1984), Verfasser des Werkes Verlust
der Mitte, formuliert, dann braucht sie einen Ort, einen Ort ihrer
Entstehung, an dem ihre Zweckenthobenheit sichtbar werden kann. Das ergibt sich
aus dem spätromantischen Hintergrund des Literarischen
Simrock-Freiligrath-Weges.
Am
26. August 2000 wurde der 6 km lange Literarische Simrock-Freiligrath-Weg von
Bad Honnef – Menzenberg über Rheinbreitbach und Scheuren nach Unkel am Rhein
eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben.
Ein
Ziel ist nun, mittels zeitgenössischer Kunst dem Weg eine Ausgestaltung zu
geben.
Daß
Ferdinand Freiligrath hoch zu Roß um 1840 durch die engen Gassen Unkels ritt,
sein Pferd hörte auf den wunderhübschen Namen Sultan, hat sich in der Kunst
nicht niedergeschlagen. Maler, Zeichner und Kupferstecher fanden wohl nicht die
Zeit, den Reitersmann so zu verewigen. Punkt eins.
Von
Karl Simrock ist überliefert, daß er auch stehend Schriften zu übersetzen
pflegte, so neben dem Spargelbeet oder in seinem Weinberg, wovon ebenso niemand
etwas ins Bild zu setzen vermochte. Punkt zwei.
Nächtens
fanden auf dem Rhein Kahnpartien statt. Von Abbildungen weit und breit keine
Spur. Punkt drei.
1842
kommt der berühmte Dichter und Harvard-Professor Henry W. Longfellow an den
Rhein und besteigt zusammen mit Freiligrath und Simrock den Drachenfels und die
Löwenburg. Später reisten die Grimms, Ludwig Uhland und viele andere an. Kein
spezielles malerisches oder zeichnerisches Werk kündet davon. Punkt vier.
Punkt
fünf, sechs, sieben .........
diese Auflistung nicht umgesetzter Historie nähme so rasch kein Ende. Die
Aufzeichnungen zur Spätromantik sind übervoll mit kulturtragenden und
lebensfrohen Begebenheiten. Die Kunst hat darüber nur spärlich Zeugnis
abgelegt.
Es
sollen literaturbezogene Kunstwerke in neuer Form geschaffen werden, die der
Zukunft Halt verleihen. Dieses künstlerische Schaffensfeld ist bislang unberührt
und somit sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.
Wir
sprechen jedoch offen aus, daß die reine Abstraktion („Komposition“) bei
Literaturfreunden kaum auf fruchtbaren Boden fallen wird. Die Ausnahme ist
vielleicht, wenn Musik ins Bild gesetzt und mit Legenden untermauert wird. Aber
auch hierzu sei darauf hingewiesen, daß solche abstrakte Werke immer noch wenig
Assoziationen zur Romantik wecken.
Die
aufschlußreiche Literatur zur Romantik und Spätromantik, auch das alte
reichhaltige, überwiegend aus Stichen bestehende Bildrepertoire, verstehen wir
als didaktische Hilfe, wie sich der Sache genähert werden kann.
Wie
die Rheinlandschaft auch immer verklärt dargestellt worden sein mag, man denke
an die Bildnisse der Engländer, vor allem an die von William Turner
(1775-1851), so wurde auch stets das Ziel verfolgt, durch die Malerei eine
Denkkultur in idealer Schönheit und Größe zu erschaffen. Die
Landschaftsdarstellungen, auch in ihren Details, haben an Reiz nichts eingebüßt.
Heute
kann der Literarische Simrock-Freiligrath-Weg ähnliche ideenreiche
Kunstauffassungen freisetzen. Eingangs wurden auch aufgezeigt, wie lückenhaft
das Genre aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Dieses zu betrachten und
aufzuarbeiten lohnt sich sehr. Und sicher ist, daß das thematisch erfaßte neue
Landschaftsbild größtes Interesse auf sich ziehen wird.
„Das Gemälde ist längst da, aber
niemand kann es sehen. Der Künstler kommt und entschleiert es. Das ist alles,
was er dazu tut. Seine ganze Leistung besteht darin, die Dinge so sehen zu
lassen, wie sie niemand sieht, das heißt: so wie sie sind.“
Egon Friedell (1878-1938) österr. Kulturphilosoph
Basisliteratur:
Literarische
Materialien und Wegbeschreibung, 88 Seiten DIN A 4, 30 s/w-Abb., erschienen im
Verlag Kurt Roessler, Bornheim, ISBN 3-935369-00-X (DM 12,--)
Das
Siebengebirge in Sage und Dichtung, Broschüre, 12 Seiten, 1 s/w-Abb., Nachdruck
eines Vortrages von Walther Ottendorff-Simrock
auszugsweise verwertbar (DM
3,--)
Beide Publikationen erhältlich in der
Buchhandlung Dr. Werber, Hauptstr. 40, 53604 Bad Honnef.
Anmeldung:
hat
schriftlich bis zum 31.12. 2001 zu erfolgen.
Werke:
Malerei
in Öl, Pastell, Aquarell, Bleistift-, Kreide-, Rötel-, Sepia- und
Tuschzeichnung, Radierung, Lithographie, Holzschnitt
Die
Wahl des Werkmittels ist freigestellt. Die eingesandten Arbeiten dürfen noch
nicht in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt, noch in einer Publikation
wiedergegeben sein. Sie müssen zum Verkauf anstehen.
Grundlegende
Ausrichtung:
gegenständlich
Motivempfehlung:
Haus Parzival Menzenberg, Freiligrath-Haus Unkel,
Menzenberger Tal, Drachenfels, Löwenburg, Dorfstraße und Koppel in
Rheinbreitbach, Ortsmitte Scheuren, Frankfurter Straße und Pützgasse in Unkel,
Rheinpartien, Rolandsbogen
Porträt
von Simrock, Freiligrath, Jakob und Wilhelm Grimm nach alten Vorlagen.
Format:
höchstens
60 x 80 cm einschließlich Rahmung
Empfohlene Formate
für Radierungen:
a)
Plattengröße bis 30 x 40 cm für ¼ Bogenformat 39,5 x 53 cm; des weiteren
Bogenformat
bis 50 x 65 cm bei 8 – 10 cm Rand oben und seitlich, 14 - 15 cm unten.
b)
Plattengröße 10 x 17 cm für DIN A 5-Edition (auch
beliebig kleiner und anders proportioniert)
c)
Plattengröße 15 x 24 cm für DIN A 4-Edition
---
Bearbeitung
Lithographie:
Steinbezeichnung
vor Ort in leistungsstarker Werkstätte für Kupferdruck und Lithographie möglich.
Für Künstler Arbeits- und Logismöglichkeit gegen Entgelt. Aufenthalt kann
vermittelt werden. Werkstätte ist am Möhnesee zwischen Arnsberg und Soest.
Bearbeitung
Holzschnitt:
Arbeitsmöglichkeit
siehe oben
Kennzeichnung:
Titel,
Signatur, bei Radierung Monogramm in Platte erwünscht , bei Holzschnitt
selbiges im Stock, Datierung, rückseitiger Besitzervermerk
Beschaffenheit und
Werkbeschreibung:
Die
Arbeiten müssen gerahmt und mit einer Aufhängevorrichtung versehen sein. Zur
Katalogisierung benötigen wir die Maße in cm (Höhe vor Breite ohne Rahmen
bzw. Passepartout), Materialangaben (z.B. Öl auf Holz, Kreide auf Karton,
Radierung auf Büttenpapier) sowie
das
Entstehungsjahr.
Wertangabe:
Jede
Arbeit ist mit Verkaufspreis in Euro auszuzeichnen.
Annahmeverfahren:
Jeder
Kunstschaffende kann bis zu drei Arbeiten einreichen. Diese sind an den Ort der
Jury – Anschrift wird bei Teilnahme nachgereicht – kostenfrei anzuliefern.
Die Arbeiten sind mit Kennwort zu versehen; in verschlossenem Umschlag mit
gleichem Kennwort ist Name und Adresse des Urhebers beizufügen.
Werkkennzeichnungen, die den Urheber klar erkennen lassen, wie etwa die volle
Namensangabe als Signatur, werden vor dem Auswahlverfahren überdeckt.
Letzter
Abgabetermin:
Donnerstag,
der 25. Juli 2002, 12.00 Uhr
Auswahlverfahren:
Die
mit Titeln und Nummern versehenen Arbeiten werden von einer Jury begutachtet und
für ausstellungsreif erklärt.
Hierbei
handelt es sich um dasselbe Auswahlverfahren wie zur Beschickung der Pariser
Impressionisten-Ausstellungen ab 1877 oder zur Berliner Sezession ab 1903!
Preisvergabe/Anerkennungen:
Die
Bewertung ist mit Geld- und Sachpreisen verbunden. Es werden insgesamt Euro
2.500,- (1.250,- / 600,- / 400,- / 250,-) ausgelobt sowie Bildveröffentlichungen
in Fachschriften vergeben. Von den Positionen 1 – 8 erfolgt eine
Kunstpostkarten-Edition. Internet-Präsentation unter „www.rhein-romantik.com“
in Folge für alle Arbeiten.
Beteiligung/Haftung:
Mit
dem Künstler/der Künstlerin wird eine schriftliche Einlieferungsvereinbarung
abgeschlossen.
Karl-Simrock-Forschung,
Postfach 20 11 42, D-53141
Bonn
Bonn,
im Februar 2001