Warnung vor dem Rhein.

(von Karl Simrock)

An den Rhein, an den Rhein, zieh nicht an den Rhein,
Mein Sohn, ich rathe dir gut: Da geht dir das Leben zu lieblich ein,
Da blüht dir zu freudig der Muth.

Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei
Als wär es ein adlig Geschlecht:
Gleich bist du mit glühender Seele dabei:
So dünkt es dich billig und recht.

Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön
Und die Stadt mit dem ewigen Dom!
In den Bergen, wie klimmst du zu schwindelnden Höhn
Und blickst hinab in den Strom.

Und im Strome, da tauchet die Nix aus dem Grund,
Und hast du ihr Lächeln gesehn,
Und sang dir die Lurlei mit bleichem Mund,
Mein Sohn, so ist es geschehn:

Dich bezaubert der Laut, dich bethört der Schein,
Entzücken faßt dich und Graus.
Nun singst du nur immer: Am Rhein, am Rhein,
Und kehrst nicht wieder nach Haus.

 

Auf dem Drachenfels

(von Ferdinand Freiligrath)

Hoch stand ich auf dem Drachenfels;
Ich hob die Hand, ich biß die Lippen.
Mein Jagdhund, freudigen Gebells,
Schlug an im Wiederhall der Klippen.

Er flog hinab, er flog hinan,
Er flog, als ob ein Wild ihm liefe;
Ich aber stand, ein froher Mann,
Und bog hinab mich in die Tiefe.

In seiner Trauben lust'ger Zier,
Der dunkelrothen wie der gelben,
Sah ich das Rheinthal unter mir
Wie einen Römer grün sich wölben.
Das ist ein Kelch! - Die Sage träumt
An seinem Rand auf moos'ger Zinne;
Der Wein, der in dem Becher schäumt,
Ist die Romantik, ist die Minne!

 

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